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Onlinewochen gegen Rassismus

Artikel vom 22.04.2019 auf ka-news.de

“Ich habe hier Freunde gefunden”: Musa aus Gambia spielt für den SC Schielberg und muss immer noch Anfeindungen hinnehmen

Vor dreieinhalb Jahren kam der Gambier Musa, der mit bürgerlichem Namen Saibo Singhateh heißt, aus seinem Heimatland nach Deutschland. Beim SC Schielberg hat er “nicht nur Mitspieler, sondern auch Freunde gefunden”, sagt der 26-Jährige. Auch wenn schon vieles gut läuft: Es kommt bei Spielen trotzdem noch zu Anfeindungen gegenüber Musa.

Auf dem Fußballplatz stehen auf jeder Seite elf Spieler, zur Mannschaft des SC Schielberg gehören auch drei Gambier. Einer von ihnen ist Saibo Singhateh, der von allen nur Musa genannt wird. Seit 2016 ist der Mittelfeldspieler nun in Deutschland und hat viele Freunde im Albtal gefunden – außerdem hat der Förderverein des Sportclubs ihm einen Job besorgt: Er ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Altenpfleger in der Nähe von Bruchsal.

Kurt Kropietz, Singhateh Saibo, Andreas Traudt und Kurt Gröner (v.l.) | Bild: Ingo Rothermund

 

Von dort fährt er zwei mal die Woche extra zum Training nach Schielberg. “Mit dem Zug geht es nach Ettlingen, von dort nimmt ihn ein Mannschaftskollege mit”, sagt Kurt Gröner, Mitspieler und zuständig für Marketing und Sponsoring beim SC. Auch sonntags zu den Spielen ist der Gambier über zwei Stunden unterwegs, um seiner Leidenschaft nachzugehen.

Obwohl er schon lange in Deutschland ist und für den SC Schielberg die Fußballschuhe schnürt – immer wieder kommt es zu Anfeindungen gegenüber Musa und seinen Mitspielern aus Gambia. “Schiedsrichter haben mich schon benachteiligt. Für ein harmloses Foul habe ich gleich eine gelbe Karte bekommen”, sagt der Gambier gegenüber ka-news. Auch unpassende Aussagen des Unparteiischen kamen schon vor: “Der Schiri hat zu mir gesagt, dass ich erstmal richtig Deutsch lernen soll”, sagt Musa gegenüber ka-news.

Probleme auf und neben dem Platz

Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben, geht es schon mal unter die Gürtellinie. Von der gegnerischen Bank kamen schon rassistische Äußerungen. Während eines Spiels ist dem Trainer des anderen Teams eine unpassende Aussage rausgerutscht. “Er ist nach dem Spiel aber direkt zu Musa hin und hat sich dafür entschuldigt”, sagt Kurt Kopietz, Vorsitzender des Fördervereins. “Im Fußball sind nun mal auch viele Emotionen dabei.” Dabei sollte Fußball doch die Menschen verbinden – eigentlich.

 

Moussa ist bereits seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. | Bild: Ingo Rothermund

 

Im Fall von Musa tut er das auch. Kopietz, der Saibo Singhateh die Ausbildung in der Altenpflege besorgt hat, hat ein besonderes Verhältnis zu dem Gambier “Ich habe ihn auch schon einige Male zu mir zum Essen eingeladen”, erzählt er. Und für Musa ist Kurt Kopietz wie ein zweiter Vater. Der musste er seinen “Ziehsohn” daher auch schon bei rechtlichen Angelegenheiten unterstützen.

Unterstützung bei Behördengängen

Der Fall: Ein Gegenspieler hatte behauptet, dass Musa ihm im Zweikampf ins Gesicht geschlagen hätte. Der Kontrahent hat dann auch eine Anzeige gegen den Gambier gestellt. “Das war gelogen. Das Gericht hat das zum Glück erkannt und Musa freigesprochen. Die Gerechtigkeit hat gesiegt”, sagt Kopietz, der den 26-Jährigen zur Verhandlung begleitet hat. Auch sonst, wenn Saibo Singhateh etwa zu den Behörden muss, ist Kurt Kopietz an seiner Seite.

 

Moussa in seinem Element auf dem Fußballplatz. | Bild: pfoschdeschuss.de

 

Der SC Schielberg lockte Musa nicht etwa mit Geld oder anderen Leistungen. “Wir hatten ein Spiel gegen Forchheim, da spielte er noch beim Gegner. Ihm hat es aber so gefallen, wie wir gefeiert haben, dass er uns nach dem Spiel direkt angesprochen hat”, sagt Andreas Traudt, Trainer der C-Klasse-Mannschaft, die in dieser Saison um den Aufstieg in die B-Klasse mitspielt. Kurze Zeit später streifte sich Musa auch schon das rote Trikot über.

Doch nicht nur im Trikot versteht er sich gut mit seinen Vereinskollegen. “Musa beteiligt sich auch neben dem Platz am Vereinsleben. Statt Bratwurst und Bier gibt es für ihn als Moslem eben Pute und Cola”, so Kurz Kopietz im Gespräch mit ka-news. Auf und neben dem Platz stimmt es und obwohl Saibo Singhateh Angebote von anderen Vereinen hat: Dem SC Schielberg bleibt Musa gerne treu – und nimmt auch die weite Anreise zum Sportplatz in Kauf.

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Die Inhalte dieser Veröffentlichung basieren auf dem folgendem Artikel:
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